Mitten im Bokor Nationalpark, auf über 1’000 Metern über Meer, bauten die Franzosen in den 1920er Jahren eine kleine Stadt mit Geschäften, Postamt und Casino. Durch das milde Klima war der Berg ein beliebter Rückzugsort. Doch bereits in den 40er Jahren, während dem Indochinakrieg, wurde die Bokor Hill Station wieder verlassen. In den 1970er Jahren nahmen die roten Khmer die Bokor Hill Station als Zuflucht – und seither verfallen die Gebäude immer mehr.

Lange waren die Ruinen der Bokor Hill Station eines der beliebtesten Ausflugsziele um Kampot. Doch nun soll der Berg wieder für den Tourismus hergerichtet werden. Ein grosses Casino und ein 5-Sterne-Hotel sollen errichtet und das alte Casino, das wohl imposanteste Gebäude der ehemaligen Bokor Hill Station, soll renoviert werden.

Doch geht damit nicht das gesamte Flair der alten Geisterstadt verloren? Oder ist sie weiterhin einen Besuch wert? Wir wollten uns selbst davon überzeugen und buchten eine Tour. Eigentlich sind wir lieber auf eigene Faust unterwegs, entschieden uns aber diesmal für eine geführte Tour.

Wie uns diese gefallen hat, ob wir nicht lieber doch auf eigene Faust unterwegs gewesen wären und ob sich ein Besuch der Bokor Hill Station noch lohnt, verraten wir Dir in diesem Blogartikel…

Was wir uns von der Bokor Hill Station Tour versprochen und was wir dafür bezahlt haben

In unserer Unterkunft, dem Good Morning Kampot*, lag ein Flyer aus. Die Tour sollte wie folgt aussehen:

  • der Sommerpalast von König Sihanouk
  • ein grosser Buddha
  • ein alter Tempel
  • eine Kirchenruine aus der Zeit der Franzosen
  • Die Bokor Hill Station
  • der Popokvil Wasserfall

Der Preis lag bei fairen 13 USD pro Person – inklusive Mittagessen sowie eine abendliche Bootstour auf dem Kampot Fluss mit Sonnenuntergang und Glühwürmchen. Und da wir die Bootstour, welche separat 5 USD pro Person kosten sollte, sowieso machen wollten, schlugen wir bei diesem Kombiangebot einfach mal zu. Ist schliesslich auch ganz spannend, wenn wir von einem Guide noch etwas mehr zu den geschichtlichen Hintergründen der Ruinen erfahren können…

Der Morgen danach und die Anfahrt zur Bokor Hill Station Tour

Morgens quälten wir uns aus dem Bett, denn um 8.30 Uhr sollten wir abgeholt werden. Und noch bevor wir das Bett verlassen hatten, fanden wir bereits den ersten Pluspunkt für die geführte Tour.

Denn am Vorabend hatten wir auf der Rooftop-Bar unserer Unterkunft den Sonnenuntergang genossen, was im Laufe des Abends in einer etwas grösseren Feier endete. Und entsprechend waren wir ganz froh, die über 1’000 Höhenmeter auf der kurvigen Strasse nicht mit dem Roller zurücklegen zu müssen…

Bokor Hill Station - Kampot, Kambodscha - Anfahrt

Fahrt in den Nebel – hier war die Sicht noch gut…

Doch mit dem Blick nach draussen fanden wir auch gleich einen Minuspunkt für die geführte Tour – denn das Wetter war nicht sehr freundlich und die Berge des Bokor Nationalparks waren in dicke Wolken gehüllt… Naja, da ist positives Denken angesagt – bei Nebel sind die Ruinen bestimmt umso mystischer…

Wie erwartet kam der Minibus eine halbe Stunde zu spät. So hatten wir wenigstens genug Zeit für einen Kaffee… Und anscheinend hatten auch einige andere Teilnehmer der Tour am Vorabend gefeiert, denn auch die waren zu spät…

Als wir endlich alle Gäste zusammengesucht hatten, fuhren wir über die grosse Brücke auf die andere Flussseite von Kampot und legten die ersten Kurven der Bergstrasse zurück. Und plötzlich waren wir hellwach. Denn unser Fahrer hatte es ordentlich eilig und hielt sich wohl für einen verkannten Rennfahrer, nur leider fehlte ihm jegliche Kenntnis vom Kurventechnik. Dass gerne mal die andere Strassenseite mitgenutzt wird, daran haben wir uns in den letzten Monaten gewöhnt. Doch unser Fahrer verschätzte sich regelmässig und musste in den Kurven harsch bremsen, um diese noch zu erwischen.

Der Nebel wurde immer dichter und die Strasse war kaum noch zu erkennen, doch unseren Fahrer schien das nicht zu beeindrucken. Und auch nachdem er an einer sehr nebligen Stelle bei einer 90 Grad Kurve beinahe geradeaus fuhr und eine Vollbremsung vor der Abgrenzungsmauer hinlegte, drosselte er das Tempo nicht.

Und so waren wir heilfroh, als wir nach einer längeren Fahrt mit mulmigem Gefühl in der Magengegend (die übrigens auf seinen halsbrecherischen Fahrstil und nicht auf unsere abendliche Feier zurückzuführen ist) auf den Parkplatz eines Aussichtspunktes fuhren. Doch zu früh gefreut, wir durften nicht aussteigen, denn er fuhr gleich wieder weiter. Ob es am viel zu dichten Nebel lag?

Viele weitere Kurven später hielt er dann doch an – und jetzt ahnten wir auch, warum wir beim ersten Stopp nicht raus durften. Denn am zweiten Stopp, der dann unser erster wurde, wartete bereits ein zweiter Minibus voller Tourgäste und ein Guide – und anscheinend gehörten wir zusammen. Der andere Minibus hatte wohl weniger Verspätung und er wollte die Gruppe aufholen…

Der Ablauf der Bokor Hill Station Tour – das wichtigste liessen wir aus

Trotz unserer Bedenken hatte es unser Fahrer geschafft, uns heil auf den Berg zu bringen. Und so hatten wir wider Erwarten doch noch die Gelegenheit, uns einen Teil der geplanten Sehenswürdigkeiten anzusehen. Denn zwei Dinge liessen wir aus, davon den Hauptgrund der Tour… Und eine Attraktion auf dem Weg wurde wenig erfolgreich ersetzt.

Der erste Stopp – Black Palace, Big Buddha und ein altes Hotel

Bokor Hill Station - Kampot, Kambodscha - Graffiti

Zwischen all den Schmierereien fanden wir dieses kunstvolle Graffiti

Als erstes erkundeten wir den Black Palace, die ehemalige Sommerresidenz von König Sihanouk. Erbaut in den zwanziger oder dreissiger Jahren, steht er seit Jahrzehnten verlassen auf dem Berg. Den Namen Black Palace erhielt die Sommerresidenz durch den Innenausbau mit schwarzem Holz. Von diesem Innenausbau ist nichts mehr übrig geblieben, stattdessen zieren diverse unschöne Graffitis die Innenräume. Doch eines der Graffitis stach heraus. An der linken Aussenwand wurde eines angebracht, dass durchaus von einem Künstler stammen könnte…

Wir folgten einem kleinen Weg den Berg hinunter und im dichten Nebel zeichnete sich ein Gebäude ab – anscheinend ein altes Hotel. Das erste Gebäude direkt am Weg war vermutlich das ehemalige Hauptgebäude mit Restaurant. Von diesem aus liess sich ein bombastischer Ausblick vermuten, doch der Nebel war einfach zu dicht.

Links vom Hauptgebäude standen weitere verwitterte Ruinen, vermutlich die ehemaligen Gästezimmer. Wir gingen durch die Räume – und ich stapfte fast in ein riesiges Loch am Boden. Hm, ich sollte wohl besser aufpassen, wo ich hintrete…

Bokor Hill Station - Kampot, Kambodscha - altes Hotel aus den 1920er Jahren

Diese Treppe weckte unsere Aufmerksamkeit – und führte uns zu weiteren überwachsenen Gästezimmern

Unser Blick schweifte aus dem Fenster und fiel auf eine schmale, überwachsene Treppe. Wo die wohl hinführt? Der Entdeckergeist war geweckt und wir folgten der Treppe nach oben. Da erwarteten uns weitere Gästeräume. Die Decken waren längst eingefallen und von allen Seiten holte sich der Dschungel seinen Raum zurück… Was für ein beeindruckender Anblick!

Nach unserer Ruinenerkundung überquerten wir die Strasse und stiegen die grossen Stufen zur übergrossen Buddha-Statue hinauf. Leider war der Nebel in der Zwischenzeit so dicht geworden, dass wir den Buddha kaum mehr erkennen konnten, obwohl wir direkt vor ihm standen. Das grosse Highlight an diesem Platz waren somit die vielen Einheimischen auf Sonntagsausflug. Einige beteten und sangen, einige posierten in sehr interessanten Posen vor ihrem Selfiestick, dazwischen gingen Buddhistische Mönche umher.

Der zweite Stopp – Wat Sampov Pram

Zurück im Minibus dachten wir, unsere Aufholjagd hätte nun ein Ende und unser Fahrer ginge das Ganze gemütlicher an – weit gefehlt, anscheinend fuhr er einfach gerne schnell…

Aus dem Nebel tauchte ein riesiges gelbes Gebäude auf – ein neues Casino mit schicker Hotelanlage… Kurz hinter dem Betonbunker bogen wir in eine Tempeleinfahrt ein zum Wat Sampov Pram.

Bokor Hill Station - Kampot, Kambodscha - Wat Sampov Pram

Der alte Tempel wird auch heute noch genutzt

Der Tempel steht auf einer Klippe, und bei schönem Wetter wäre die Aussicht sicher bombastisch gewesen. Doch auch der Nebel hatte seinen Charme. Denn immer wieder zogen weisse Schwaden die Klippen hoch und liessen das mit dunkler Patina überzogene Gemäuer nahezu verschwinden… Das hatte etwas mystisches – und gruseliges…

Der Tempel wird noch immer genutzt und im Inneren beteten einige Gläubige. Auf dem Areal fanden wir noch diverse Stupas, einen grossen Buddha sowie einen kleinen Brunnen. Und nachdem wir den letzten unserer Gruppe nach fast 15 Minuten Suche gefunden hatten, ging es zum dritten Stopp.

 

Der dritte Stopp – die alte Kirche

Bokor Hill Station - Kampot, Kambodscha - alte französische Kirche

Die Kirche ist ein imposanter Anblick – aber leider innen komplett leergeräumt

Zu der alten Kirche gibt es nicht viel zu berichten – das alte Gemäuer steht noch, doch der Innenraum ist bis auf den Altar, einige neue Bilder von Heiligen und das wohl kürzlich benutzte Klo komplett leer.

Unser Guide erklärte uns, dass von der Kirche aus wohl die Aussicht so gut sein soll, dass man bis nach Kampot sehen könne – wenn es denn keinen Nebel hätte… Und wir hatten viel Nebel…

 

Der vierte Stopp – Mittagessen

Langsam aber sicher meldete sich der Hunger – denn noch immer nagte die Feier vom Vorabend an uns und Frühstück hatten wir auch keins…

Und wie von Zauberhand hielten an einem Parkplatz und unser Fahrer packte den mitgebrachten Reis mit Gemüse aus. An einem der lokalen Stände organisierten wir uns noch eine Fleisch-Beilage. Da uns der Sinn nicht unbedingt nach Fisch oder Hühnerfüssen stand, entschieden wir uns für eine Wurst – und die war wirklich lecker.

Nach dem Essen kauften wir uns noch einen kleinen Nachtisch in Form von abgepacktem Gebäck (unbedingt probieren!) und stiegen wieder in den Minibus.

Der fünfte Stopp – Fischerdorf statt Wasserfall

Bokor Hill Station - Fischerdorf statt Popokvil Wasserfall

Der Stopp am Meer – der Wasserfall wäre wohl auch ohne Wasser spektakulärer gewesen

Während dem Mittagessen erklärte unser Guide, dass der Popokvil Wasserfall wohl in der Trockenzeit – also jetzt – kein Wasser führe und somit der Stopp da keinen Sinn machen würde. Stattdessen empfahl er uns, ans Meer zu fahren und ein Fischerdorf zu besichtigen.

Also fuhren wir – erneut in halsbrecherischem Tempo, den Berg wieder hinunter. Doch ehrlich gesagt hätten wir uns die Fahrt zur Küste sparen können. Das Fischerdorf waren nur ein paar leere Hütten am Meer. Erklärungen oder ähnliches gab es kaum. Und so stand unsere Gruppe da für eine kurze Zeit planlos herum, bevor es zurück nach Kampot ging.

Unser Fazit zur Bokor Hill Station Tour

Der aufmerksame Leser wird festgestellt haben – da fehlt der Teil von der Bokor Hill Station, der Geisterstadt mit dem alten Casino. Aber nein, wir haben den Teil nicht vergessen, weil wir einen Hangover hatten – wir waren ganz einfach nie da.

Unser Guide erklärte uns während der Tour, dass die Bokor Hill Station wohl komplett unter Renovation stehe. Das Casino werde aktuell renoviert und ein 5-Sterne-Hotel sei im Bau – die Geisterstadt gäbe es nicht mehr und wir würden nicht hinfahren. Na toll, das hätte man uns durchaus auch vor der Buchung der Tour mitteilen können…. Denn das war unser Hauptziel…

Auch das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung. Zwar entstand mit dem Nebel, der durch die Ruinen zog, eine Atmosphäre wie im Film Silent Hill. Doch leider konnten wir so die Aussicht nicht geniessen, die wohl eine der besten von Kambodscha sein soll…

Bokor Hill Station - Kampot, Kambodscha - Fazit

Das alte Hotel am ersten Stopp war unser Highlight

Insgesamt denken wir, dass sich der Ausflug auf den Berg definitiv lohnt, auch wenn die Bokor Hill Station nicht mehr zugänglich sein soll. Jedoch würden wir dafür keine Tour buchen, sondern bei schönem Wetter selbst mit dem Roller hochfahren. Denn die Infos, die wir von unserem Guide erhalten haben, waren eher spärlich. Ausserdem sind wir einfach lieber ohne fixierten Zeitplan unterwegs und suchen uns die Plätze selbst aus.

Falls Du Dich entscheidest, mit dem Roller hochzufahren, dann fahr auf jeden Fall vorsichtig und am Strassenrand. Durch die Bautätigkeiten sind viele Lastwagen unterwegs und einige Locals auf ihren Motorrädern nutzen die Strecke gerne, um ihre Fahrkünste zu testen. Und nicht zuletzt wird auch unser Fahrer, der gerne mit über 60 km/h auf der Gegenspur fuhr, seinen Minibus wieder da hoch quälen… Und wie das ausgehen kann, hätten wir beinahe live erlebt. Denn auf dem Rückweg hat unser Fahrer einen Rollerfahrer um Haaresbreite verfehlt und ihn fast in die Steinmauer vor dem steilen Abhang gedrängt…

Um 14.00 Uhr waren wir bereits wieder zurück und konnten uns eine kleine Pause gönnen. Denn wir hatten ja eine Tour-Kombi gebucht und am Abend stand noch der letzte Punkt auf dem Programm. Was uns da erwartete und wie uns die Bootsfahrt in den Sonnenuntergang gefallen hat, findest Du in diesem Blogartikel…

Das Video zur Bokor Hill Station Tour

KAMPOT BOKOR HILL STATION ★ Baustelle – lohnt sich der Ausflug noch? | Vlog Weltreise (2018) #15

 

Insgesamt hielt die Tour nicht, was sie versprochen hatte. Denn einige Punkte – unter anderem die Bokor Hill Station – auf dem Programm wurden gestrichen und wir erfuhren dies erst während der Tour. Dazu kam der Nebel, so dass wir auch die Aussicht nicht geniessen konnten und unser halsbrecherischer Fahrer… Eine Tour auf eigene Faust wäre wohl die bessere Wahl gewesen.

Warst Du an der Bokor Hill Station? Wie sieht es da heute wirklich aus? Oder warst Du da, als es die Geisterstadt noch gab? Würdest Du überhaupt noch hochfahren, wenn die Geisterstadt nicht mehr zu besichtigen ist? Poste es in die Kommentare, wir sind gespannt…