Ich gehe auf Weltreise – Yeah! Aber halt mal, was mache ich denn mit meinem Job? Einfach so kündigen für die Weltreise? Oder doch lieber ein längerer Urlaub? Und was ist eigentlich dieses ominöse Sabbatical, von dem alle reden?

In den folgenden Zeilen findest Du einige Möglichkeiten, wie Du zu Deiner Auszeit kommst und die Welt bereisen kannst. Und was aus unserer Sicht für oder gegen die einzelnen Modelle spricht. Aber eines vorweg – die perfekte Lösung gibt es nicht. Das war klar, oder? Wofür Du Dich entscheidest, hängt immer von den Umständen ab. Also los, dann such Dir mal Deine beste Lösung raus…

 

Ein paar Gedanken, die Du Dir vorab machen solltest:

  • Wie lange soll die Weltreise dauern?
  • Möchtest Du Dich in der Schweiz abmelden?
  • Setzt Du eher auf Sicherheit oder die absolute Freiheit?
  • Wie hoch schätzt Du Deine Chancen ein, schnell einen neuen Job zu finden?

Jahresarbeitszeit – die Saison-Reisenden

Was ist ein Sabbatical - Alternative Jahresarbeitszeit

Stark saisonabhängige Jobs ermöglichen Dir, mehrere Monate im Jahr zu reisen. Dafür arbeitest Du die restlichen Monate wie ein Tier

Perfekt für: kürzere Reisen, bei saisonalen Berufen

Einige Berufe sind stark abhängig von den Jahreszeiten. Da arbeitest Du dann die eine Hälfte des Jahres wie ein Tier, um dann in den folgenden Monaten die angehäufte Überzeit wieder zu kompensieren. Beispiele gefällig? Einige Bauarbeiter-Berufe, Servicekräfte in Wintersportgebieten, Wirtschaftsprüfer und bestimmt viele weitere, die uns hier grad nicht in den Sinn kommen.

Die Vorteile von Jahresarbeitszeitmodellen:

  • Du erhältst Deinen Lohn wie gewohnt und brauchst nicht grossartig auf die Weltreise zu sparen
  • Du kannst sogar Deine Wohnung und Krankenversicherung ohne Probleme weiter bezahlen
  • Nach Deiner Reise warten Dein gewohnter Job und die Kollegen auf Dich
  • Die Unfallversicherung, die AHV und Pensionskasse laufen weiter, da Du einen regelmässigen Lohn hast
  • Du kommst von Deiner Reise zurück und machst da weiter, wo Du aufgehört hast. Job, Wohnung, Arbeitskollegen – alles noch da
  • Es ist keine langwierige Überzeugungsarbeit beim Chef nötig
  • Das kannst Du jedes Jahr wiederholen – geil, oder?

Die Nachteile von Jahresarbeitszeitmodellen:

  • Du bist auf eine bestimmte Saison beschränkt, die sich vielleicht nicht mit der besten Reisezeit für Dein Wunschziel deckt
  • Deine Reisedauer ist beschränkt auf Deine angehäufte Überzeit
  • Du arbeitest die restlichen Monate im Jahr unglaublich viel

Du hast keinen solchen Job und keine Fähigkeiten oder eine Ausbildung, um einen solchen zu bekommen? Dann ab zu den anderen Möglichkeiten…

Unbezahlter Urlaub – nimm Dir eine Auszeit

Was ist ein Sabbatical - Alternative Möglichkeit unbezahlter Urlaub

Um den unbezahltem Urlaub finanzieren zu können, ist sparen angesagt

Perfekt für: kürzere Reisen, bei einem flexiblen Arbeitgeber

Bei einem unbezahlten Urlaub beziehst Du zusätzliche Urlaubstage. Wie der Name schon sagt, natürlich ohne Lohn. Du brauchst noch ein paar Spartipps? Der Artikel folgt demnächst…

Je nachdem, wie gut Deine Abteilung organisiert ist und wie flexibel Dein Arbeitgeber reagiert, kann ein unbezahlter Urlaub wenige Wochen oder sogar mehrere Monate dauern.

Die Vorteile von unbezahltem Urlaub:

  • Du hast bei Deiner Rückkehr einen Job und brauchst Dich unterwegs nicht um einen neuen zu kümmern
  • Somit brauchst Du auch keine grossen finanziellen Rücklagen für die Rückkehr
  • Durch den tieferen Jahreslohn sparst Du Steuern – zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen
  • In der Regel entstehen keine AHV-Beitragslücken, da Du einen Teil des Jahres arbeitest und so den Mindestbetrag entrichtet hast
  • Du kannst nach Deiner Reise in Dein gewohntes Arbeitsumfeld und zu den netten Kollegen zurückkehren

Die Nachteile von unbezahltem Urlaub:

  • Funktioniert nur, wenn der Chef einwilligt
  • Weniger Flexibilität und Freiheit, da Du zu einem vereinbarten Datum zurück sein musst
  • Meist ist der Reisedauer nach oben eine Grenze gesetzt, da Deine Kollegen die zusätzliche Arbeit nicht ewig abdecken können
  • Unbezahlten Urlaub bekommst Du vermutlich nicht jedes Jahr
  • Um Deine Unfallversicherung musst Du Dich selbst kümmern, der Schutz läuft nach 30 Tagen aus

Es empfiehlt sich, für die Dauer des unbezahlten Urlaubs einen Kündigungsschutz zu vereinbaren und die gesamte Abrede inklusive Termine und Bedingungen schriftlich festzuhalten. Ein Kündigungsschutz besteht ansonsten nicht.

Die Überbrückungszeit – aus alt mach neu

Was ist ein Sabbatical - Alternative Möglichkeit Überbrückumgszeit

Die Zeit zwischen dem alten und dem neuen Job ist, zusammen mit dem Resturlaub, eine tolle Reisemöglichkeit

Perfekt für: kürzere Reisen

Du hast grad eben Dein Studium beendet oder wechselst sowieso den Job? Dann ist dies der perfekte Zeitpunkt für Deine Weltreise. Zumindest wenn Dein neuer Arbeitgeber noch einige Zeit auf Dich warten kann. Falls Du noch keine neue Arbeitsstelle hast, dann lies beim Thema Kündigung weiter.

Hast Du noch Überzeit oder Resturlaub beim alten Unternehmen? Dann lege alles ans Ende Deiner Anstellung. Somit kannst Du Deine Reisezeit nochmals verlängern.

Der einzige Unterschied zum unbezahlten Urlaub besteht darin, dass Du nach Deiner Reise an einem neuen Ort arbeitest. Schön für den neuen Arbeitgeber und für Dich ist, dass Du Dich entspannt und ausgeruht in die neuen Aufgaben stürzen kannst. Zumindest falls Du Dir für die eher kurze Reisezeit nicht zu viel vorgenommen hast.

Die Vorteile einer Weltreise in der Überbrückungszeit

  • Du startest mit viel Energie und entspannt in die neue berufliche Herausforderung
  • Dein Job ist mehr oder weniger gesichert, so brauchst Du keine grossen Rücklagen für die Rückkehr
  • Um die AHV und Pensionskasse brauchst Du Dir keine Gedanken machen, da Du nur wenige Monate unterwegs bist.
  • Du kannst Deine Sprachkenntnisse nochmals auffrischen – zumindest dann relevant, wenn Du die im neuen Job brauchst

Die Nachteile einer Weltreise in der Überbrückungszeit

  • Der neue Arbeitgeber wird nicht ewig warten, deswegen ist die Reisezeit meist ziemlich knapp
  • Du kannst den Reisezeitraum nicht wählen und musst die Route den Gegebenheiten anpassen
  • Dein Rückkehrdatum ist fixiert – das nimmt Dir einiges an Flexibilität
  • Kannst Du Deine Gedanken abschalten? Oder machst Du Dir während der Reise bereits Gedanken über den neuen Job und kannst die Reise nicht geniessen?

Und mal wieder die Unfallversicherung – Du hast keine mehr, sobald das Arbeitsverhältnis ausgelaufen ist. Schliesse daher eine ab.

Was ist eigentlich ein Sabbatical

was ist ein Sabbatical

Beim Sabbatical sparst Du Dir Deinen Langzeiturlaub an

Perfekt für: Längere Reisen, ohne den Job aufzugeben

Immer wieder haben wir von diesem Sabbatical gehört. Aber was zum Teufel ist dieses Sabbatical denn nun genau? Das Wort stammt vom jüdischen Sabbatjahr und meint einen Langzeiturlaub vom bestehenden Job. Klingt schon mal richtig gut…

Einige Arbeitgeber bieten Arbeitszeit- oder Lohnmodelle an, bei denen Du ein Sabbatical ansparen kannst. Du verzichtest für eine längere Zeit auf einen Teil Deines Lohnes oder arbeitest einige Stunden mehr pro Woche. Dein Guthaben wird dann auf einem „Langzeitkonto“ angespart.

Kleines Rechenbeispiel: Du hast eine 40-Stunden-Woche, arbeitest aber 44 Stunden. Somit erhältst Du pro Woche 4 Stunden Guthaben. Nach zwei Jahren hast Du rund 2 Monate Urlaub angespart. Du könntest natürlich auch die Vereinbarung treffen, dass Du während Deinem Sabbatical nur 50% Deines Monatslohnes beziehst, dafür doppelt so lange – sei kreativ…

Vorteile von einem Sabbatical

  • Dein Monatslohn läuft, je nach Absprache, auch während dem Sabbatical weiter
  • Somit werden auch die AHV- und Pensionskassenbeiträge weiter eingezahlt
  • Auch die Unfallversicherung läuft in der Regel weiter
  • Für Deine Rückkehr brauchst Du kein finanzielles Polster
  • Dein Job ist gesichert, Du brauchst Dich nicht um einen neuen zu kümmern

Nachteile eines Sabbaticals

  • Nicht jeder Arbeitgeber bietet ein Sabbatical an
  • Die Monate vor dem Sabbatical arbeitest Du mehr – und musst gleichzeitig die gesamte Reise planen
  • Du musst zu einem bestimmten Zeitpunkt zurück sein

Du hast während Deinem Sabbatjahr keinen Kündigungsschutz. Daher empfehlen wir Dir, einen solchen vertraglich festzuhalten. Nimm auch gleich Dein Rückkehrdatum und Deine Tätigkeit in den Vertrag auf. In so vielen Monaten kann schliesslich einiges passieren.

Die Kündigung – Freiheit pur

Was ist ein Sabbatical - Alternative Kündigung

Falls es keine andere Möglichkeit gibt oder der Freiheitsdrang zu gross ist bleibt nur noch die Kündigung

Perfekt für: richtig lange Reisen, Freiheitsjunkies

Hilft alles nix? Kann oder will Dir Dein Arbeitgeber nicht entgegenkommen? Oder willst Du so richtig flexibel unterwegs sein und Dich nicht auf ein Rückkehrdatum festlegen? Dann bleibt Dir wohl nichts Anderes übrig als zu kündigen.

Die Vorteile einer Kündigung

  • Absolute Flexibilität und Freiheit – zumindest so lange Dein Budget es zulässt
  • Du bist nicht auf den Goodwill Deines Arbeitgebers angewiesen. Du gehst wann Du willst und so lange Du willst
  • Den Reisezeitpunkt kannst Du auf die beste Reisezeit für Deine Wunschroute abstimmen
  • Du kannst Dich in der Schweiz abmelden – und sparst Du damit möglicherweise viel Geld

Die Nachteile einer Kündigung

  • Sicherheit ade – bei der Rückkehr wartet kein Job auf Dich
  • Möglicherweise verlierst Du auch Deinen Anspruch auf Arbeitslosengeld komplett
  • Da ist finanzielle Vorsorge angesagt – somit musst Du länger für die Weltreise sparen – hol Dir hier unsere Tipps
  • Bereits während Deiner letzten Reisemonate musst Du Dich um einen Job kümmern – ausser Du kommst mehrere Monate zuhause ohne Einkommen aus

Ob und wann Dein Anspruch auf Arbeitslosengeld verfällt? Wir haben die Arbeitslosenkasse befragt (gilt nur für die Schweiz). Und wir haben einige Tipps gesammtelt, wie Du Deine Weltreise in Deiner Bewerbung gut verkaufen kannst. An diesem Artikel arbeiten wir noch, er folgt aber schon bald…

Der beste Zeitpunkt für Deine Kündigung

Der genaue Zeitpunkt hängt stark von Deinem Verhältnis zum Arbeitgeber ab. Habt ihr ein gutes Verhältnis? Dann schenke ihm reinen Wein ein, sobald Du Deinen Abreisetermin definitiv kennst. Und Dir auch sicher bist, die Kohle bis dahin zusammen zu haben.

So hat auch Dein Arbeitgeber genug Zeit, sich um einen Ersatz zu kümmern. Schliesslich ist Ihm klar, dass Du dieses Abenteuer schon länger geplant hast. Und je fairer Deine Kündigung ist, desto höher ist die Chance, dass Du allenfalls nach Deiner Rückkehr wieder eingestellt wirst.

Anders sieht es natürlich aus, wenn ihr bereits ein schlechtes Verhältnis habt und Du ernsthaft befürchten musst, früher gekündigt zu werden. Schliesslich brauchst Du das Geld aus der restlichen Zeit noch für Deine Reise. Den Nachmieter für die Wohnung und Deinen Sparplan hast Du auf diesen Zeitpunkt koordiniert und kannst nicht einfach früher gehen.

Wirst Du wenige Monate vor der Abreise arbeitslos, wird es ja nach Branche schwierig, etwas Neues zu finden. Gerade wenn in Deinem Beruf eine längere Einarbeitungszeit nötig ist, wird Dich vermutlich keiner mehr einstellen. Um Arbeitslosengeld für diese Zeit zu beziehen, musst Du aber vermittelbar sein. Ob das unter diesen Umständen der Fall ist, entscheidet Dein zuständiges Arbeitsamt.

Unser Fazit – wofür wir uns entschieden haben

So, jetzt haben wir viel gequatscht was sein könnte und wäre wenn… Wird Zeit, dass wir damit rausrücken, wofür wir uns entschieden haben…

All die genannten Lösungen haben ihre Vor- und Nachteile. Aber uns war schnell klar, wir kommen um eine Kündigung nicht herum. Eine Reisedauer von mindestens zwei Jahren – da spielt kein Arbeitgeber mit.

Ausserdem wollen wir uns, ganz nach dem Motto „ever on Travel“ nicht festlegen, wann wir wiederkommen. Vielleicht reisen wir nach einem kurzen Schweiz-Urlaub einfach weiter… Diese Freiheit und Flexibilität wollen wir uns bewusst herausnehmen.

Fiel es uns leicht? Nein, ganz im Gegenteil. Wir beide mochten unsere Jobs, hatten super Arbeitskollegen (ja, wir werden euch echt vermissen…) und tolle Arbeitgeber. Aber der Ruf nach Freiheit, Abenteuer und der Welt war einfach zu gross.

 

Alles steht und fällt mit Deinem Arbeitgeber. Denn falls der nicht mitspielt, bleibt Dir wohl nur der radikalste Schritt – die Kündigung. Aber auch wenn Du die anderen Möglichkeiten für unmöglich hältst – fragen kostet nix, und nur wer wagt der gewinnt.

Ob unbezahlter Urlaub oder Kündigung, ob wenige Monate oder mehrere Jahre – es ist völlig egal. Wichtig ist, dass Du die Reise Deines Lebens machst und sie in vollen Zügen geniessen kannst.

Stehst Du noch vor der Entscheidung oder hast Du sie schon getroffen? Wie löst Du das mit Deinem Job und was war für Dich der ausschlaggebende Punkt? Poste es in den Kommentaren, wir sind gespannt…